Samstag, 21. Mai 2016

# alleine

20.05.2016

Mir ist schlecht. Mein Magen rumort, sogar wenn ich etwas trinke. Und kalt ist mir auch. Diese Kälte kommt von innen. Meine Kollegen sitzen in T-Shirt und kurzer Hose hier, während ich meine dicke Jacke und sogar meinen Schal trage. Ich bin furchtbar müde, weil ich seit fast drei Wochen keine Nacht mehr durchschlafe. Die letzten Tage waren extrem. Ich habe zu wenig gegessen, zu viel Alkohol konsumiert, zu wenig geschlafen, viel zu viel geweint und nachgedacht. Mein Kopf dröhnt und ich will eine Zigarette rauchen, aber ich weiß, dass es mir danach noch schlechter gehen wird, weil mein Kreislauf verrückt spielt. Also lasse ich es, nehme stattdessen einen kleinen Schluck Wasser und versuche krampfhaft, mich irgendwie auf die Arbeit zu konzentrieren. Das, was ich hier mache, kommt mir sinnlos vor. So wie alles andere auch.

Meine Gedanken schweifen immer wieder ab. Immer wieder zu dir, Mama. Ich vermisse dich so sehr, dass es kaum zu ertragen ist. Wenn mir unwillkürlich ganz bestimmte Gedanken in den Sinn kommen, dann sticht es mir kurz ins Herz. Ich spüre den Schmerz bereits körperlich, Mama. Keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Mir macht alles Angst; ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit, als ich wirklich richtige Probleme hatte. Plötzlich kann ich wieder kaum auf Menschen zugehen, Telefonate fallen mir schwer, ich kann keine Entscheidungen treffen. Damals ging es mir schon einmal so, aber da warst du bei mir. Nur durch dich habe ich es geschafft, da wieder rauszukommen und mich so gut zu entwickeln. Mama, mach dir keine Sorgen, du hast mich sehr gut auf dieses Leben vorbereitet; hast mir alles beigebracht. Aber ich fühle mich so alleine ohne dich. So unendlich alleine.

Es ist egal, wer bei mir ist. Freunde, Bekannte - es fühlt sich trotzdem einsam an. Diese unerträgliche Leere, die niemand füllen kann. Und der Gedanke, dass das auch niemals möglich sein wird. Wie denn auch? Ich weiß, dass mir niemals in meinem ganzen Leben jemand so nahe sein wird, wie du es warst. Niemand der mich so bedingungslos lieben wird; der mich wirklich so akzeptiert, wie ich bin. Die Liebe einer Mutter zu ihrer Tochter ist absolut einzigartig - und zwischen uns hat kein Blatt Papier gepasst. Wir waren immer zusammen; waren immer füreinander da. 25 Jahre lang. Ich konnte dir immer alles erzählen. Dinge, die ich sonst nie jemandem erzählt hätte.

25 Jahre lang war ich nie alleine.

Und jetzt... ist auf einmal alles weg. Alles.

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