Dienstag, 31. Mai 2016

# unkontrolliert

Diese Fressattacken von zuletzt haben viel mehr in mir ausgelöst, als ich ursprünglich gedacht hätte. Ich habe jetzt totale Angst, dass das wieder passiert. Dieser Kontrollverlust, dieses ekelhafte Gefühl danach. Tage danach fühlt man sich noch widerlich. Mal abgesehen von den Bauchschmerzen, die man kurz darauf hat.

Heute habe ich noch gar nichts gegessen, dafür aber etwas zu viel geraucht und dieses schwüle Gewitter-Wetter macht mich auch total fertig. Habe Kopfschmerzen und fühle mich furchtbar. Kann ich mir aber nicht erlauben; habe nen Vollzeitjob, der auch noch einiges von mir abverlangt. Achja und der Umzug steht da natürlich auch noch an, haha. Ich will schlafen. Für immer.

Montag, 30. Mai 2016

# Fressattacken

Auch das noch.

So langsam geht das nicht mehr gut hier... 

Vor ein paar Tagen hatte ich meine erste richtig krasse Fressattacke. Ich meine... die erste in meinem Leben. Ich habe noch nie vorher so unkontrolliert gefressen. Dazu muss ich sagen, dass Alkohol auch wieder ein Thema war und überhaupt war alles scheiße und schlimm und... naja... Erst jetzt verstehe ich, was Leute damit meinen, wenn sie sich mit dem Essen irgendwie "auffüllen" wollen... Ich hab mich so leer gefühlt und das Essen hat einfach überhaupt kein bisschen satt gemacht, egal wie viel ich gegessen habe. Es war ein richtig "verzweifeltes Fressen". Widerlich.

Ich dachte, das wäre eine einmalige Sache gewesen. Aber nein, gestern war es wieder soweit. 

Heute habe ich dagegen noch keine 500 kcal gegessen. Ich fühle mich so ekelhaft; sowas darf nie wieder passieren!

Ich treibe in einem Meer aus Angst, Trauer, Verzweiflung, Alkohol, Tabletten, Fressattacken, Hunger, Erinnerungen und Überforderung.

Freitag, 27. Mai 2016

# kein Neuanfang

Warum ist jeder so scheiß optimistisch, was die neue Wohnung betrifft?

NEIN, nichts ist "supertoll"!

NEIN, es ist kein "Neuanfang"!

Und NEIN, nichts wird gut - es KANN gar nicht mehr GUT werden. 

Hört auf damit; hört auf mich zu beglückwünschen. Hört auf zu fragen, wann es losgeht. Hört endlich auf, mich mit Fragen zu löchern, die mich überfordern.

Warum kommt keiner mal zu mir und sagt: "Ich kann verstehen, dass du dort nicht weg willst und dass die Situation unerträglich ist. Ich kann verstehen, dass das alles viel zu schnell geht und du deine Mama entsetzlich doll vermisst. Ich kann verstehen, dass dich das alles überfordert. Ich verstehe dich."

Ausnahmsweise finde ich Optimismus in diesem Fall absolut fehl am Platz - ich kann es nicht mehr hören. Genausowenig wie dieses elende "Alles wird gut". Ihr wisst gar nichts, ich versteht nichts von all dem. Und das ist sogar gut so, denn das hier... das wünsche ich wirklich niemandem. 

Ich brauche Hilfe, warum lässt mich jeder letztendlich doch irgendwie alleine mit dieser Qual? Warum scheint es niemanden zu interessieren, wie es mir wirklich geht?

Ich freue mich über die Hilfe, die von allen Seiten bzgl. dem Umzug angeboten wird - aber viel mehr würde ich mich darüber freuen, wenn irgendjemand einfach mal Verständnis zeigen würde...

Warum kann nicht mal jemand sagen: "Ja, das IST beschissen. Es tut weh - und es ist NICHT gut. Ganz und gar nicht."

Mittwoch, 25. Mai 2016

"Es fühlt sich fast so an, als hätte mein eigenes Leben aufgehört. 
Ich bereue so viele Dinge. Dinge, die ich gesagt und getan 
habe - oder eben nicht gesagt und getan habe. 
Ich bereue es, dass ich so viel arbeiten war 
und nicht mehr mit ihr zusammen unternommen habe. 
Ich bereue jeden noch so kleinen Streit. 
Es ist beinahe so, als wäre ich gegangen, nicht sie."

"Ein Stück von dir ist mit ihr gegangen..."

# hilflos

Ich fühle mich so ohnmächtig, wie gelähmt. Meine Psyche legt mich komplett lahm; es ist, als könnte ich keinen einzigen Schritt alleine machen. Bei jeder Aufgabe, bei jeder Herausforderung, strecke ich die Hände nach jemandem aus.

Für alle anderen geht das Leben einfach weiter, nur für mich ist es stehen geblieben. Ich will mit nichts konfrontiert werden, ich will meine Ruhe haben.

"Die gehen nächstes Jahr auf Tour, ich bestelle uns Tickets."
"Nein, lass mal. Für mich nicht."
"Doch natürlich kommst du mit. Ist doch auch erst nächstes Jahr..."
"Wenn ich Glück habe, erlebe ich das nächste Jahr gar nicht."

Dieser Satz ist mir einfach so rausgerutscht, ich wollte es eigentlich gar nicht sagen. Aber es hat mich unter Druck gesetzt, jetzt Pläne für nächstes Jahr zu machen. Das kann ich nicht.

~

"Ich hab die Wohnung bekommen."
"Sehr geil, herzlichen Glückwunsch!! Ich freu mich so für dich!"
"Danke ... Ja ..."

Ich möchte weinen, mich vergraben und einfach nicht mehr existieren. Ich weiß, dass ich umziehen muss. Aber ob es wirklich die richtige Entscheidung war, gerade dorthin zu ziehen? Und so schnell jetzt? Sollte ich mir nicht lieber doch etwas mehr Zeit lassen? Was ist, wenn es wieder so eine fatale Entscheidung war? So wie damals? Was ist, wenn die Zeit wieder so furchtbar wird? Und dann ist niemand da, der mich rettet.

Immer wieder packt mich die Verzweiflung. Nicht nur wegen der aktuellen Situation, nicht nur wegen dem anstehenden Umzug. Sondern wegen der Zukunft. Wegen meinem ganzen verdammten Leben, das noch vor mir liegt. Was wird passieren? Wird der Schmerz immer bleiben? Werde ich überhaupt zurechtkommen alleine? Und was, wenn nicht? Was, wenn alles so bleibt, wie es jetzt im Moment ist? Wenn es sich immer so anfühlen wird? Was, wenn es schlimmer wird?

Wie soll ich das schaffen?

Und: Will ich das überhaupt schaffen? Will ich so ein Leben führen?

"Wenn das jetzt immer so bleibt, dann schaff ich das nicht."
"Es wird nicht immer so bleiben, das verspreche ich dir."
"Und wenn doch?"
"Wird es nicht."
"..."

Dienstag, 24. Mai 2016

# keine Zeit

Es passiert im Moment viel zu viel. Ich will, dass das aufhört. Ich will das alles nicht. Ich will nicht umziehen, will nicht aus dem Haus raus, wo wir so viel Arbeit reingesteckt haben und dann doch nur so kurz zusammen wohnen konnten. Das denke ich, während ich schon die Umzugskartons packe. Es geht alles viel zu schnell, ich bin noch nicht bereit dazu. Das hier ist doch unser Zuhause, wo soll ich denn hin?

Ich habe den Drang, dir das alles zu erzählen, Mama. Ich formuliere im Kopf schon die Worte - und dann kommt in der selben Sekunde die Ernüchterung und es sticht wieder ins Herz. Immer wenn ich überfordert war, habe ich mit dir darüber geredet und es ging danach viel besser. Jetzt bin ich alleine mit all dem und komme nicht zurecht.

Dieser Gedanke, dass du wirklich nicht mehr da bist und auch nicht mehr wiederkommen wirst.

"Es tut so weh." - "Es braucht Zeit, so schnell geht das nicht."

Aber es wird immer schlimmer, anstatt besser. Am Abend drehe ich regelmäßig durch. Wenn alles ruhig wird und ich alleine bin. Dann zerdrücken mich die Wände und gleichzeitig ist zu viel Platz da. Dann sehne ich mich nach jemandem, der mich einfach in den Arm nimmt, und kann gleichzeitig niemanden in meiner Nähe ertragen. Dann hilft keine Musik, keine Ablenkung. Dann muss ich mich betäuben, mit Tabletten und Alkohol. Weil ich sonst nichts machen kann. Und danach kann ich noch weniger machen. Am nächsten Morgen geht der Albtraum dann von vorne los.

Ich weiß, dass ich mir dringend Hilfe suchen sollte - aber ich habe keine Zeit. Ich muss den Umzug über die Bühne kriegen, sonst habe ich kein Geld mehr. Ich kann das Haus nicht alleine bezahlen, und die Monate, die ich noch hier bleiben muss, sind eigentlich schon zu viel. Es ist also schlichtweg keine Zeit für eine Therapie, keine Zeit für längere Gespräche - es ist noch nicht einmal Zeit, um einfach mal Luft zu holen und zu realisieren, was hier gerade überhaupt passiert.

Samstag, 21. Mai 2016

# alleine

20.05.2016

Mir ist schlecht. Mein Magen rumort, sogar wenn ich etwas trinke. Und kalt ist mir auch. Diese Kälte kommt von innen. Meine Kollegen sitzen in T-Shirt und kurzer Hose hier, während ich meine dicke Jacke und sogar meinen Schal trage. Ich bin furchtbar müde, weil ich seit fast drei Wochen keine Nacht mehr durchschlafe. Die letzten Tage waren extrem. Ich habe zu wenig gegessen, zu viel Alkohol konsumiert, zu wenig geschlafen, viel zu viel geweint und nachgedacht. Mein Kopf dröhnt und ich will eine Zigarette rauchen, aber ich weiß, dass es mir danach noch schlechter gehen wird, weil mein Kreislauf verrückt spielt. Also lasse ich es, nehme stattdessen einen kleinen Schluck Wasser und versuche krampfhaft, mich irgendwie auf die Arbeit zu konzentrieren. Das, was ich hier mache, kommt mir sinnlos vor. So wie alles andere auch.

Meine Gedanken schweifen immer wieder ab. Immer wieder zu dir, Mama. Ich vermisse dich so sehr, dass es kaum zu ertragen ist. Wenn mir unwillkürlich ganz bestimmte Gedanken in den Sinn kommen, dann sticht es mir kurz ins Herz. Ich spüre den Schmerz bereits körperlich, Mama. Keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Mir macht alles Angst; ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit, als ich wirklich richtige Probleme hatte. Plötzlich kann ich wieder kaum auf Menschen zugehen, Telefonate fallen mir schwer, ich kann keine Entscheidungen treffen. Damals ging es mir schon einmal so, aber da warst du bei mir. Nur durch dich habe ich es geschafft, da wieder rauszukommen und mich so gut zu entwickeln. Mama, mach dir keine Sorgen, du hast mich sehr gut auf dieses Leben vorbereitet; hast mir alles beigebracht. Aber ich fühle mich so alleine ohne dich. So unendlich alleine.

Es ist egal, wer bei mir ist. Freunde, Bekannte - es fühlt sich trotzdem einsam an. Diese unerträgliche Leere, die niemand füllen kann. Und der Gedanke, dass das auch niemals möglich sein wird. Wie denn auch? Ich weiß, dass mir niemals in meinem ganzen Leben jemand so nahe sein wird, wie du es warst. Niemand der mich so bedingungslos lieben wird; der mich wirklich so akzeptiert, wie ich bin. Die Liebe einer Mutter zu ihrer Tochter ist absolut einzigartig - und zwischen uns hat kein Blatt Papier gepasst. Wir waren immer zusammen; waren immer füreinander da. 25 Jahre lang. Ich konnte dir immer alles erzählen. Dinge, die ich sonst nie jemandem erzählt hätte.

25 Jahre lang war ich nie alleine.

Und jetzt... ist auf einmal alles weg. Alles.

Donnerstag, 19. Mai 2016

# zerstört

Ich bin jetzt auf 56 kg - und es ist mir so egal. So unglaublich egal.

Was soll ich sagen ... ich habe mich lange nicht gemeldet. Es ist so viel passiert. Zu viel.

Was macht man, wenn man den wichtigsten Menschen in seinem Leben verliert? 

Ich bin kaputt. So kaputt, so müde, so ausgezehrt. Keine Kraft mehr.

Mama, du fehlst mir ...

Du fehlst mir so unendlich.