Samstag, 14. September 2019

# Ich hasse Menschen

Ich versteh's einfach nicht. Es gibt da diese wirklich sehr enge Freundin von mir, der ich alles erzählen kann - und damit ist sie (leider) die Einzige, von der ich das behaupten kann. Sie erzählt mir genauso viel Persönliches, wir halten uns regelmäßig auf dem Laufenden. Sie hat noch viel stärkere psychische Probleme, als ich.

Manchmal, wenn ich ihr etwas (für mich sehr Wichtiges) erzähle (via WhatsApp, wir wohnen leider etwas weiter auseinander, sehen uns allerdings mindestens 1x im Monat), dann reagiert sie einfach nicht darauf und meldet sich wochenlang nicht, tut danach dann so, als wäre nie etwas gewesen. Ich fühle mich dann herumgeschubst. Ihr werdet denken, sie hat möglicherweise eine depressive Phase und schafft es einfach nicht - das habe ich jedenfalls am Anfang gedacht und natürlich Verständnis gehabt - aber das ist offenbar nicht so, denn sie postet weiterhin irgendwelchen Nonsense auf Facebook, von Spieleabenden mit ihren Mitbewohnern, von Kneipengängen, von Besuchen bei ihrer Mutter... Sie chattet dort mit ihren 10.000 Freunden, die ihr - so unter uns gesagt - alle so dermaßen in den Arsch kriechen, dass mir schlecht wird.

Immer wieder gibt es Seelenstriptease von ihr auf Facebook, wo sie sich in regelmäßigen Abständen ihre Bestätigung von ihren Freunden abholt, die ihr sagen, wie toll sie doch ist und dass sie sich nicht ändern muss und wer das nicht erkennt, ist ja wohl total blind.

Ich kann sowas nicht.

Ich bin leider keine von denen, die ihr diese Bestätigung rund um die Uhr geben kann und das weiß sie auch. Ich kann sowas auch nicht nachvollziehen. Was bringt es mir denn, wenn mir irgendwelche x-beliebigen Personen, die ich größtenteils noch nicht einmal persönlich kenne, in den Arsch kriechen?

Immer wieder ist sie - aus verschiedenen Gründen - das Opfer, wird unfair behandelt, erklärt in ellenlangen Posts, warum sie so ist, wie sie ist, und braucht scheinbar unbedingt Menschen, die ihr vermitteln, dass sie genauso richtig ist, wie sie nun mal ist, und dass alle anderen doof sind, nur sie nicht.

Ich habe daraufhin gestern zum ersten Mal seit gefühlten 100 Jahren meinen Facebook-Account deaktiviert, weil ich das echt nicht mehr ertragen kann. Ich will's nicht mehr lesen, nicht mehr sehen.

Meine letzte Nachricht an sie, eine Sprachnachricht von 2 Minuten, in der ich ihr von einem Vorfall berichtete, der mich total belastete, blieb über eine Woche lang unbeantwortet. Gehört hat sie es aber, wie mir die verdammten blauen Häkchen verraten. Da ich dachte, dass es ihr nicht gut geht (obwohl mir Facebook etwas anderes vermittelte), schrieb ich ihr, dass ich an sie denke, woraufhin sie sich entschuldigte und sich selbst als "treulose Tomate" bezeichnete. Eine Antwort auf meine Sprachnachricht gab es trotzdem nicht, stattdessen wieder Funkstille.

So geht das immer wieder. 

Und ich hasse mich dafür, dass ich irgendwie "auf sie angewiesen bin", weil sie doch die Einzige ist, der ich wirklich ALLES anvertrauen kann... Aber ich will das nicht mehr. Ich will mich nicht mehr so vor einem Menschen öffnen, der mich "aus der Schublade holt, wenn es mal wieder passt", oder wenn sie selbst Probleme hat und meine Hilfe braucht. 

Vielleicht interpretiere ich auch zu viel in ihr Verhalten hinein, aber ganz ehrlich, noch deutlicher kann man Desinteresse einfach nicht machen.

Würde sie mir etwas erzählen, was sie offenbar belastet und traurig macht, dann würde es mir nie im Leben einfallen, sie einfach zu ignorieren, über einen so langen Zeitraum hinweg, während ich mich stattdessen mit Schwachsinn beschäftige, meine Zeit mit fremden Leuten in den sozialen Medien verbringe, oder stundenlang vor der PlayStation hocke.

Ich verstehe Menschen einfach nicht.

Jedes Mal, wenn ich denke, einen "Verbündeten" gefunden zu haben, passiert sowas und ich werde meilenweit zurückgeschleudert, weil ich einfach nicht weiß, wie ich mit so etwas umgehen soll.

Jedes Mal komme ich dann wieder zu der Erkenntnis, dass es niemanden gibt, der "wirklich immer für dich da ist", weil jeder seine eigenen Päckchen zu tragen hat, und letztendlich einfach keiner Zeit für deinen Scheiß hat.

2 Kommentare:

  1. Ziemlich ähnliches musste ich auch erleben. Leider kann ich gar nicht viel dazu sagen, denn bei mir ist diese "Freundschaft" dann in die Brüche gegangen. Das ist super traurig und bis heute prägt mich dieses Erlebnis, aber solche Menschen brauche ich nicht in meinem Leben. Ich merke, dass ich kaum noch mit anderen über meinen psychischen Zustand spreche. Dafür hab ich meine Thera und ich kann in die Insti zu Gesprächen gehen. Ich erzähle nur noch, wenn sich wirklich jemand dafür interessiert und nachfragt.
    Das ist kein Trost, das weiß ich. Aber vielleicht hilft es dir, ihr zu sagen was du denkst und fühlst und den Kontakt zum Selbstschutz zu beenden.
    <3

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  2. Ich habe vor ein paar Wochen auch zum ersten Mal meinen Facebook-Account deaktiviert, und muss sagen, dass es mich von Woche zu Woche mehr befreit. Es hat mich auch runtergezogen, dort ständig Dinge zu sehen/lesen, die sich in der Realität meistens ganz anders darstellen.. Manchmal kommt es einfach vor, dass Menschen sich unterschiedlich entwickeln, leider.. Habe das auch schon durch, allerdings ist das etwas länger her. Einfach nicht mehr aktiv auf diese Leute zuzugehen ist das für dich gesündeste was du tun kannst ♥ (Ich weiß, leicht gesagt, aber das ist meine Erfahrung..)

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