Ich muss diesen Blog mal dazu missbrauchen, mir Luft zu machen. Dieses Mal geht es nicht um das Thema Gewicht, sondern um Freundschaft, oder das, was man Freundschaft nennt.
Ist euch mal aufgefallen, dass heutzutage fast jeder einfach nur noch seinen Scheiß loswerden will? Und dass man oft bloß als Kummerkasten fungiert und einem das dann als Freundschaft verkauft wird?
Ich hab da diese Freundin, ich mag sie gerne, ich bin gerne für sie da und unternehme auch wirklich viel mit ihr. Da sie mich mehr und mehr in ihr Leben eingebunden hat und wir praktisch ständig in Kontakt stehen, habe ich mich ihr schnell wahnsinnig verbunden gefühlt. Mit der Zeit musste ich aber feststellen, dass es fast immer nur um sie geht. Es wäre übertrieben zu behaupten, sie würde sich gar nicht um mich kümmern, so ist es nicht. Aber auf der anderen Seite kann ich auch nicht behaupten, sie würde ebenso großes Interesse an mir zeigen, wie ich an ihr.
Es gab ein paar Schlüsselereignisse in den letzten paar Wochen/Monaten. Meine Oma hatte einen schweren Unfall und war lange auf Intensivstation und danach in Kurzzeitpflege. Dann ist ihr Sohn - also mein Onkel - gestorben.
Ereignisse wie diese sollten auch Menschen, die sich normalerweise vielleicht etwas mehr auf sich selbst konzentrieren, dazu veranlassen, den Fokus zur Abwechslung auf den/die Freund/in zu richten. Das ist nur bedingt passiert, ich habe mich trotzdem alleine gefühlt. Im krassen Gegensatz dazu stehen Monate voller Beistand, wenn es um ihre Männergeschichten ging.
Auch ist mir schon mehrmals aufgefallen, dass sie sehr unsensibel reagiert, wenn es um Dinge geht, die mich beschäftigen/belasten. (Wir erinnern uns an diese Situation...) Ich habe immer gedacht, das wäre halt einfach ihre Art - aber ich glaube nicht, dass sie es toll fände, wenn ich bei einem ihrer Probleme ebenso reagieren würde. Als ich beispielsweise auch mal eine Sache mit einem Mann angesprochen habe - und diese Sache hat mich wirklich über längere Zeit ziemlich fertiggemacht - meinte sie bloß, sie hätte nach allem, was sie mit Kerlen erlebt hat, nun wirklich keine Lust mehr, sich noch weiter mit dem Thema "Beziehungen" auseinanderzusetzen. Damit war das Gespräch beendet, ohne dass ich überhaupt erklären konnte, worum es ging.
Letztendlich bin ich enttäuscht. Nach sehr vielen Jahren habe ich gedacht, eine wirklich gute Freundin gefunden zu haben, aber ich fürchte, das ist alles nur Schwindel. Diese Menschen beziehen einen wahnsinnig in ihr Leben ein, teilen ALLES mit dir und du fühlst dich zugehörig, aber das allein ist nunmal leider keine Freundschaft. Das reicht nicht, damit beide Seiten glücklich sind. Es ist und bleibt ein Geben und Nehmen.
Versteht mich nicht falsch, zum Glück gibt es auch immer noch Ausnahmen. Gott sei Dank. Und ohne eben diese Ausnahmen würde ich wohl langsam durchdrehen.
Ich werde das Gefühl nicht los, als würde ich mich ständig selbst in diese Rolle pressen, als wäre es meine Schuld. Eben weil ich anderen lieber zuhöre, als selbst zu reden. Weil ich natürlich IMMER für Leute da bin, die ich mag. Und weil ich nicht pausenlos nur von mir selbst quatsche, den lieben langen Tag. Aber offenbar muss man das, um auch wahrgenommen zu werden. Um andere darauf zu stoßen, dass man AUCH Gefühle, Gedanken und Sorgen hat, auch wenn man nicht ständig darüber spricht.
Keine Ahnung, Beziehungen jeglicher Art sind kompliziert. Das waren sie schon immer. Ich weiß nur, dass ich die Schnauze voll von Selbstdarstellern habe. Diese Sorte Mensch, die sich auf irgendeine Art und Weise immer und immer wieder ins Rampenlicht stellen. Meinetwegen, geht auf die Bühne, wenn ihr euch dort wohl fühlt. Aber erwartet nicht, dass ich länger Applaus spende.
Nachtrag: Ich will ihr nicht Unrecht tun, indem ich nur ihre negativen Seiten aufzähle. Natürlich hat sie auch Positive, sonst wären wir gar nicht erst befreundet. Und ich glaube offen gestanden auch, dass sie einfach nicht anders kann. Es ist keine böse Absicht von ihr; sie ist einfach so - und ich weiß, dass man Menschen so nehmen muss, wie sie sind. Aber nicht um jeden Preis. Nicht, wenn ich mich in einer "Freundschaft" mehr und mehr ausgenutzt fühle. Nicht, wenn ich merke, dass mir immer mehr Energie geraubt wird. Dann wird es Zeit, sich zurückzuziehen und diese Freundschaft in Maßen zu genießen, um nicht das Gefühl zu bekommen, man selbst würde als Mensch völlig untergehen.